„Projektierer und Betreiber müssen stärker auf hybride Geschäftsmodelle setzen“

Sie zeigen in Ihrer Analyse, dass die Strompreise mittelfristig deutlich volatiler werden. Was sind die zentralen Gründe?
Tim Steinert: Seit dem Jahr 2022 erleben wir eine beschleunigte, strukturelle Veränderung des Strommarktes. Der Ausbau von Photovoltaik und nun auch wieder Windenergie geht schnell voran, während der Hochlauf von Stromnachfrage und Flexibilität, vor allem Batteriespeichern, noch nicht im gleichen Tempo erfolgt. Laut unseren Modellierungen steigt die Kapazität erneuerbarer Energien in Deutschland bis 2030 um rund 117 GW, während Batteriespeicher nur um etwa 15 GW zulegen.
Dadurch entstehen wachsende Überangebote an Strom, vor allem in den Mittagsstunden im Sommer. Das führt zu häufigeren Situationen mit sehr niedrigen und negativen Preisen, insbesondere an sonnigen und windreichen Tagen. Gleichzeitig steigen die Preise in Phasen knapper Verfügbarkeit von Wind und PV durch das neue Erdgaspreisniveau stark an. Alte Geschäftsmodelle stehen durch den zunehmenden Kannibalisierungseffekt und die steigende Häufigkeit negativer Preise zunehmend unter Druck.
Ihre Prognosen weisen ab den späten 2020er Jahren einen starken Anstieg negativer Preise aus. Wie weit könnte diese Entwicklung gehen?
Tim Steinert: Wir sehen einen klaren Trend für die kommenden Jahre – das ist eine weitere Zunahme negativer Strompreise im deutschen Marktgebiet bis in die 2030er Jahre. Gleichzeitig zeigen unsere Modellierungen auch, dass die Beträge der negativen Preise sinken wird. Während wir in der Vergangenheit häufig Preise von –60 €/MWh oder noch niedriger gesehen haben, erwarten wir mittelfristig eher Niveaus im Bereich von –5 €/MWh und darunter. Grund dafür sind sinkende Marktprämien und mehr Flexibilität im Dispatch, nicht zuletzt durch die neuen § 51-Regeln, die das Gebotsverhalten deutlich verändern.
Negative Preise bedeuten jedoch nicht nur Risiken, sondern auch neue Marktchancen. Sie sind ein deutliches Signal dafür, wo Flexibilität fehlt. Genau dort können Speicher, Demand-Side-Management oder Power-to-X-Lösungen besondere Mehrwerte schaffen. Wer diese Dynamik richtig versteht und in seine Strategie integriert, kann vom zunehmend volatilen Markt profitieren.
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