veröffentlicht am 05.03.2026 09:27
Lesedauer 2 Min.
Interviews
Projektplanung, Wirtschaft, Politik

Gebäudemodernisierungsgesetz: Die Abschaffung der 65-Prozent-Regel ist ein klimapolitischer Paukenschlag

Erneuerbare Wärmelösungen etablieren sich derzeit auf dem Markt. Mit der Reform des Gebäudeenergiegesetzes erlaubt die Koalition jedoch einen langsameren Umstieg. Energieexperte Martin Pehnt erklärt, warum dadurch neue Abhängigkeiten entstehen, Mieter höhere Kosten tragen müssen und der Klimaschutz zurückgeworfen wird.
Eine Wärmepumpe vor einem Hauseingang.
© Pixabay / HarmvdB

neue energie: Herr Pehnt, was halten Sie von der Koalitionseinigung zum Heizungsgesetz?

Martin Pehnt: Die gute Nachricht ist: Das monatelange Zaudern rund um das Gebäudeenergiegesetz ist beendet. Die Förderung klimafreundlicher Heizungen bleibt bestehen, die europäische Gebäuderichtlinie wird plangemäß umgesetzt, und die Wärmeplanung für kleinere Kommunen vereinfacht. Zudem bringt ein Wärmepaket mehr Transparenz bei Fernwärmepreisen, eine gesetzlich geregelte Wärmenetzförderung und verbesserte Rahmenbedingungen für den Ausbau der Fernwärme.

ne: Was bedeutet das für das geplante neue Gesetz für den Klimaschutz? Der Gebäudebereich soll ja wie die anderen Sektoren bis 2045 kein CO₂ mehr ausstoßen.

Die Abschaffung der sogenannten 65-Prozent-Regel ist ein klimapolitischer Paukenschlag. Bisher galt beim Einbau neuer Heizungen die Vorgabe, dass 65 Prozent der erzeugten Wärme aus erneuerbaren Quellen stammen müssen – technologieoffen, also nicht auf eine bestimmte Technik festgelegt. Diese Verpflichtung soll nun entfallen. Stattdessen müssen neu eingebaute Gas- oder Ölheizungen mit einem aufwachsenden Anteil mit klimafreundlichen Brennstoffen, zum Beispiel Biomethan oder Bioöle, betrieben werden, startend bei zehn Prozent im Jahr 2029 statt der 65 Prozent im jetzt geltenden Gesetz. Dieser Anteil soll stufenweise ansteigen – um wieviel, verraten die Eckpunkte nicht. Dazu soll eine allgemeine Grüngas- und Grünöl-Quote kommen. Doch sie startet mit lediglich einem Prozent – deutlich weniger als selbst Gutachten im Auftrag der Gaswirtschaft empfohlen hatten.

ne: Gibt es denn ausreichend Biogas?

Pehnt: Nachhaltige Biobrennstoffe sind knapp und werden in anderen Sektoren dringend gebraucht – im Verkehr, in der Industrie oder für flexible Kraftwerke. Heute wird weniger als eine Terawattstunde Biomethan für Wärmezwecke produziert. Der Gasverbrauch für Raumwärme und Warmwasser liegt aber bei fast 400 Terawattstunden. Auch Europa verfügt nicht über große zusätzliche Bio-Potenziale. Der Hochlauf der Wasserstoffproduktion bleibt bislang weit hinter den Erwartungen zurück. Und der Import großer grüner Brennstoffmengen schafft neue Abhängigkeiten – ganz anders als die heimische Stromproduktion mit Wind und Solar.

Lesen Sie das gesamte Interview kostenlos auf „Abschied von der 65-Prozent-Regel: Wird das neue Heizungsgesetz zum Klimarisiko?“ – neue energie.

Professor Martin Pehnt leitet das Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg. Der Physiker und Energietechniker lehrt auch an der Universität Kassel und ist Sachverständiger im Klimarat von Baden-Württemberg.