Kommunale Wärmeplanung: „Im Vergleich zu Dänemark sind wir 50 Jahre zu spät dran“

Deutschland heizt fossil. Erdgas wärmt mehr als die Hälfte aller privaten Haushalte. Ölheizungen wummern in knapp einem Fünftel des Bestands. Auch die Fernwärme, heute in etwa 15 Prozent der Wohnungen verfügbar, ist von der Klimaneutralität noch weit entfernt. Erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme etwa aus Zementwerken oder Kupferhütten liefern ein Drittel der Fernwärme. Im gesamten Wärmesektor steigt der Anteil erneuerbarer Energien von der Biomasse bis zur ökostrombetriebenen Wärmepumpe nur langsam an: auf gerade mal 18,1 Prozent im vergangenen Jahr. Höchste Zeit für eine Wärmewende.
„Im Vergleich zu Dänemark sind wir 50 Jahre zu spät dran“,
sagt Andrea Arnold Drmic, Expertin für die kommunale Wärmewende am Bundesinstitut für Bau, Stadt und Raumforschung (BBSR).
Der Nachbar im Norden stellte bereits nach der Ölkrise in den 1970er Jahren seinen Wärmesektor um. Zwei Drittel der dänischen Haushalte hängen heute an Fernwärmenetzen. Öl, Erdgas und Kohle spielen nur noch eine kleine Rolle, sodass die Klimaneutralität des gesamten Wärmesektors bis 2050 realistisch erscheint. Die Hauptstadt Kopenhagen könnte dieses Ziel bereits in diesem Jahr erreichen.
Fast die Hälfte der deutschen Kommunen hat mit der Wärmeplanung begonnen
„Auch in Deutschland ist das Bewusstsein für die sehr hohe Dringlichkeit in den Kommunen angekommen“, sagt Arnold Drmic. Diese Einsicht gründet nicht zuletzt auf dem Wärmeplanungsgesetz. Es verpflichtet deutsche Großstädte, bis Juni 2026 einen konkreten Wärmeplan zu erarbeiten. Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohnern haben zwei Jahre mehr Zeit. Dank großzügiger Förderung von 90 bis 100 Prozent der Kosten hat, Stand Mai 2025, knapp die Hälfte der 10.751 Kommunen mit der Wärmeplanung begonnen, 488 fertige Pläne liegen bereits vor.

Ein grobes Bild von Bestandsbauten und Potenzialen dient als Grundlage für einen möglichen Transformationspfad. Der mündet in einem selbst gesetzten Ziel, wie bis spätestens 2045 die Versorgung mit Wärme komplett klimaneutral gemacht wird.
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