veröffentlicht am 27.03.2026 11:07
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Interviews
Netze & Netzanschluss, Politik, Wirtschaft

Energiewende als Sicherheitsfrage: „Wir dürfen nicht wieder einschlafen“

Erneuerbare Energien sind weit mehr als Klimaschutz: Sie sichern Unabhängigkeit und Stabilität. Stephan Frense von Arge Netz warnt vor politischem Zögern und fordert klare Schritte bei Netzen, Bürgerenergie und Stromnutzung – in Schleswig-Holstein und im Bund.
Stephan Frense, CEO von Arge Netz.
© Storyfischer

neue energie: Wie ordnen Sie als eine der führenden Erneuerbaren-Unternehmensgruppe in Deutschland die grundsätzliche Lage ein?

Stephan Frense: Im Jahr des russischen Angriffskriegs sind viele aufgewacht und haben in den Erneuerbaren Freiheit und Unabhängigkeit erkannt. Leider sind dann viele wieder eingeschlafen. Vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage und der systemischen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland und Europa von strategischer Bedeutung und weit mehr als ein Beitrag zum Klimaschutz. Wir müssen es immer wieder und noch deutlicher betonen: Erneuerbare reduzieren außenwirtschaftliche Abhängigkeiten, stärken die Versorgungssicherheit und Krisenfestigkeit in Schleswig-Holstein, Deutschland und der Welt.

neue energie: Schleswig-Holstein plant das „Klimaneutralitätsnetz“. Welche Chancen bietet dieses Konzept für die Bürgerenergie – und wie kann es den Windstrom besser ins Netz bringen?

Stephan Frense: Wir sehen Klimaneutralitätsnetze kritisch. Die Diskussion darüber ist angestoßen worden, um „Schlimmeres“ aus Berlin zu verhindern, allein es hat nichts genützt und hat eher dazu geführt, dass die regional geprägte Energietransformation zu einem ersten Wahlkampfthema zu verkommen drohte. Das hätte insbesondere die Bürgerenergie gefährdet. Dabei zeigt ein Abgleich der Handelsregisterauszüge aus Schleswig-Holstein und den Nachbarländern, den die Unternehmensgruppe Arge Netz vorgenommen hat: Hier gibt es bundesweit die höchste Beteiligungskultur an Energieprojekten. Diese Struktur hat die Energiewende hier überhaupt erst möglich gemacht. Die Diskussion um Klimaneutralitätsgebiete hat diese Erfolgsgeschichte allerdings eher irritiert als gestärkt. Stattdessen braucht es die Beschleunigung und Optimierung der Netze, eine konsequente Umsetzung einer Flexibilisierungsagenda und den nächsten Schritt der Bürgerbeteiligung: Energy Sharing. Bürgerinnen und Bürger sollten lokal erzeugten Strom direkt nutzen können – in regionalen Stromgemeinschaften, über kommunale Energiepools oder in Modellregionen für Energy Sharing. Konkrete Vorschläge dazu wurden von uns gemacht, es fehlen bislang sowohl von Kiel als auch von Berlin die Antworten darauf. Wenn die Politik hier weiter zögert, wird die Branche – mal wieder – erneut selbst vorangehen müssen.

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