„Der Fachkräftemangel ist eine strukturelle Herausforderung“

neue energie: Viele Unternehmen – gerade in den Erneuerbaren – suchen händeringend junge MINT-Talente. Trotzdem bleiben Stellen oft lange unbesetzt. Wo hakt es aus deiner Sicht aktuell am meisten?
Sven Kristkeitz: Häufig stellen die Fachabteilungen sehr hohe und spezifische Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber – zum Beispiel eine bestimmte fachliche Spezialisierung. Wenn diese nicht exakt erfüllt wird, gestaltet sich die Besetzung schwierig. Wir suchen dann das Gespräch mit unseren Partnerunternehmen und verweisen auf Kandidaten, die grundsätzlich die richtigen Kenntnisse und die passende Ausbildung mitbringen. Man muss bereit sein, einen sinnvollen Kompromiss einzugehen. In diesen Teil des Recruiting-Prozesses sollte man die Fachabteilungen stärker einbeziehen.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Unternehmen eine regelrechte Flut an unpassenden Bewerbungen erhalten. Ich höre täglich von unseren Kunden, dass sie auf eine einzige Stellenanzeige – etwa bei Stepstone – 100 bis 150 Bewerbungen bekommen, die allesamt gesichtet werden müssen. Das führt zu erheblicher Überlastung und birgt die Gefahr, dass wirklich geeignete Kandidatinnen und Kandidaten in dieser Masse untergehen.
Ein weiterer Aspekt ist das Thema Sprachkenntnisse. Es ist grundsätzlich nachvollziehbar, dass Unternehmen deutschsprachige Mitarbeitende bevorzugen. Das Problem liegt dabei nicht immer in der internen Organisation, sondern häufig im Behördenkontakt, der für viele Tätigkeiten in der Erneuerbaren-Branche unverzichtbar ist und nach wie vor sehr gute Deutschkenntnisse erfordert. Das ist für die gesamte Branche ein echtes Hemmnis, denn dadurch entgehen ihnen viele gut qualifizierte Fachkräfte.
ne: Du arbeitest seit Jahren an der Schnittstelle zwischen Studium, Lernen und Arbeitsmarkt. Was hat dich persönlich dazu gebracht, dich auf junge MINT-Talente zu fokussieren?
Kristkeitz: Ich habe eine Zeit lang als Lehreraushilfe gearbeitet und dabei eine große Leidenschaft für das Thema Bildung entwickelt. Im Studium habe ich mich dann intensiv damit beschäftigt, wie man Lehrformate interaktiver und individueller gestalten kann – weg vom reinen Frontalunterricht. Fragen wie: Was motiviert Menschen? Wie können Ausbildung und Beruf besser zusammenpassen? Wo will jemand eigentlich hin? All das hat mich schon früh beschäftigt.
Hinzu kommt, dass MINT bei uns im gesamten Gründerteam einfach im Blut liegt. Ich habe Physik studiert, mein Co-Founder Luis Maschinenbau, und Elias, unser dritter Gründer, hat Chemie und Informatik studiert. Wir sind durch und durch ein MINT-Team – das ist unser Bereich, und dort haben wir uns folgerichtig spezialisiert. Doch in MINT-Studiengängen herrschen nach wie vor erschreckend hohe Durchfall- und Abbrecherquoten: In manchen Fächern schaffen 50 bis 70 Prozent der Studierenden die Prüfungen nicht, und am Ende erhalten nur rund die Hälfte überhaupt einen Abschluss. Das ist ein enorm großes verschwendetes Potenzial – und es ist unnötig, denn diese Themen kann grundsätzlich jeder erlernen. Man muss kein Genie sein. Gemeinsam mit der RWTH Aachen haben wir deshalb ein Konzept entwickelt, das Studierende wirkungsvoll durch ihr Studium begleitet.
Für mich persönlich passt das auch inhaltlich sehr gut zur Branche: Der MINT-Bereich ist essenziell, um die drängenden Probleme unserer Zeit zu lösen, sei es die Energiewende oder andere technische Herausforderungen. Wir haben als Gründerteam nach Ansatzpunkten gesucht, an denen wir mit unserem technischen Hintergrund echten gesellschaftlichen Impact erzielen können. Immer wieder sind wir beim Thema Bildung gelandet – und so ist die Idee zu Max Talents entstanden.
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