Zweiter Castor aus Jülich jetzt in Ahaus - Mahnwachen

Begleitet von einem Polizei-Großaufgebot ist in der Nacht zum Mittwoch in Nordrhein-Westfalen ein zweiter Atommüll-Behälter von Jülich nach Ahaus gebracht worden. Nach einer Fahrt über mehrere gesperrte Autobahnabschnitte traf der Castor am frühen Morgen im Brennelemente-Zwischenlager Ahaus ein, wie ein Polizeisprecher berichtete. Der Transport sei ohne besondere Vorkommnisse erfolgt.
Der Speziallaster mit dem Behälter war am Abend rund eine Stunde später als geplant in Jülich losgefahren. «Aufgrund von Verzögerungen in den Betriebsabläufen zur Vorbereitung des Transports kam es zu einem späteren Start als vorgesehen», erklärte die Polizei Münster. Zu keinem Zeitpunkt sei dadurch aber eine Gefahrenlage entstanden, betonte die Behörde. Nähere Einzelheiten nannte die Polizei nicht.
Mahnwachen gegen die Transporte in Jülich, Bottrop und Ahaus
Wie schon beim ersten Castor-Transport vor vier Wochen demonstrierten Atomkraftgegner. Sie hatten sich am Abend zu Mahnwachen in Jülich, Ahaus und an der Transportstrecke in Bottrop versammelt. Ein Plakat in Jülich nannte die Transporte «konzeptlos, überflüssig und gefährlich».
Am Forschungszentrum kamen laut Polizei rund 20 Demonstranten zusammen. In Bottrop gab es eine Mahnwache in der Nähe einer Brücke über die Autobahn 2. Polizei und Veranstalter sprachen von einem Dutzend Teilnehmenden. Unmittelbar über der Fahrbahn durften sie nicht demonstrieren. Gerichtlich erstritten sie aber die Erlaubnis, beleuchtete Kreuze zu verwenden. Die Kreuze gelten als Symbol des Widerstands gegen Atommülltransporte.
Symbolische Sitzblockade in Ahaus
In Ahaus nahmen am frühen Abend an einer Kundgebung nach Angaben der Veranstalter rund 300 Menschen teil. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 180. An einer Kreuzung gab es anschließend eine symbolische Sitzblockade. Danach zogen die Atomkraftgegner weiter zum Zwischenlager Ahaus. Bis zum Eintreffen des Transports hielten dort laut Polizei rund 30 Menschen eine Mahnwache ab.
Castor ist die Bezeichnung für den Spezialbehälter, der die gefährliche Strahlung der transportierten Brennelementekugeln weitgehend abschirmt. Insgesamt sollen binnen mehrerer Monate 152 Behälter aus dem Forschungszentrum Jülich nach Ahaus gebracht werden. Hintergrund der Transporte ist eine bereits 2014 ergangene Anordnung der NRW-Atomaufsicht, das Zwischenlager in Jülich zu räumen, weil eine Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte.
Jülicher Castor-Behälter wiegt 27 Tonnen
Der erste Transport eines Atommüll-Behälters von Jülich nach Ahaus hatte in der Nacht vom 24. auf den 25. März stattgefunden. Auch er war ohne besondere Zwischenfälle verlaufen. Ein beladener Castor-Behälter wiegt rund 27 Tonnen, der Spezial-Sattelzug mitsamt einem vollen Behälter knapp 130 Tonnen. Maximal drei Spezialfahrzeuge können gleichzeitig fahren.
In den Behältern sollen insgesamt gut 288.000 tennisballgroße Brennelemente aus einem Versuchsreaktor transportiert werden. Der Reaktor war ein Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktor. Die Anlage war von 1967 bis 1988 in Betrieb. Die Brennstoffe in den Kugeln geben weiterhin radioaktive Strahlung ab und wären außerhalb der Castor-Behälter hochgefährlich. In jeden Behälter passen maximal 1.900 Kugeln, die insgesamt rund zwei Kilogramm Brennstoff enthalten.
Im Brennelemente-Zwischenlager Ahaus liegen bereits 305 Behälter gleichen Typs. Sie enthalten die ebenfalls kugelförmigen Brennelemente aus dem Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) Hamm-Uentrop.