Wie sicher sind Gasleitungen in Sachsen-Anhalt?

Der tödliche Hauseinsturz in Görlitz erschüttert viele Menschen. Noch ist unklar, was genau das Unglück verursacht hat. Als mögliche Ursache steht aber eine Gasexplosion im Raum. Was bedeutet das für Menschen in Sachsen-Anhalt? Wie sicher sind Gasleitungen in Wohnhäusern - und worauf sollten Mieter und Eigentümer achten?
Wie wahrscheinlich ist ein Unglück wie in Görlitz in Sachsen-Anhalt?
Nach Einschätzung von Fachleuten sind schwere Gasunfälle äußerst selten. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) spricht von einer Größenordnung, die mit «sehr seltenen Naturereignissen wie einem Tod durch Blitzschlag vergleichbar» sei. Auch der TÜV-Verband betont, dass Unglücke wie in Görlitz «die absolute Ausnahme» seien.
Der DVGW verweist darauf, dass für Planung, Installation, Betrieb und Wartung von Gasanlagen auch in Sachsen-Anhalt strenge gesetzliche Vorgaben und technische Regeln gelten. Erkenntnisse aus Schadensfällen würden zudem laufend in die Sicherheitsstandards einfließen.
Warum betrifft das Thema viele Menschen in Sachsen-Anhalt?
Gas spielt beim Heizen in Sachsen-Anhalt weiterhin eine große Rolle. Nach Daten des Statistischen Landesamts wurde vor wenigen Jahren etwa jede zweite Wohnung im Land überwiegend mit Gas beheizt. Damit war Gas der wichtigste Energieträger zum Heizen.
Wie viele Haushalte insgesamt an ein Gasnetz angeschlossen sind, lässt sich nach Angaben der Landesregierung nicht genau beziffern. Allein die Netzbetreiber Mitnetz Gas und Avacon betreiben nach eigenen Angaben rund 70.000 beziehungsweise 83.000 Gas-Hausanschlüsse in Sachsen-Anhalt. Hinzu kommen weitere Anbieter, etwa kommunale Stadtwerke.
Sieht das Land besonderen Handlungsbedarf?
Nein. Das Ministerium für Infrastruktur und Digitales verweist auf bestehende Sicherheitsvorgaben. Feuerungsanlagen müssten nach der Landesbauordnung betriebs- und brandsicher sein. Zudem gilt seit August 2025 eine aktualisierte Feuerungsverordnung. Sie regelt unter anderem Anforderungen an Heizräume, Abgasanlagen und die Versorgung mit Verbrennungsluft.
Statistiken über Gaslecks, Gasexplosionen oder entsprechende Feuerwehreinsätze werden nach Angaben des Innenministeriums in Sachsen-Anhalt nicht geführt.
Wie werden Gasleitungen kontrolliert?
Nach Angaben von Mitnetz Gas werden jedes Jahr hunderte Ortsnetze, Anlagen und Hausanschlüsse überprüft. Zusätzlich führt das Unternehmen sogenannte Haustests durch, bei denen etwa die Raumluft in Kellern oder Hausanschlussräumen gemessen wird.
Avacon verweist auf regelmäßige Kontrollen nach den technischen Regeln des DVGW. Leitungen innerhalb von Gebäuden, die noch zum Netzanschluss gehören, werden demnach alle zwölf Jahre überprüft.
Für die Anlagen hinter dem Hausanschluss sind allerdings die Eigentümer verantwortlich. Das Infrastrukturministerium verweist darauf, dass die Betriebssicherheit von Feuerungsanlagen regelmäßig durch Schornsteinfeger kontrolliert wird.
Wo liegen die größten Risiken?
Mitnetz Gas und Avacon nennen als häufige Ursachen für Schäden an Gasleitungen unsachgemäße Arbeiten, Manipulationen sowie Beschädigungen bei Bauarbeiten. So könnten etwa Bagger bei Erdarbeiten Leitungen treffen, wenn zuvor keine Leitungsauskünfte eingeholt wurden.
Der DVGW nennt als häufige Ursachen von Gasunfällen in Gebäuden vorsätzliche Manipulationen, unsachgemäße Arbeiten oder mangelnde Wartung von Gasgeräten. Der TÜV-Verband verweist zusätzlich auf mögliche Defekte an Gaskochfeldern oder Heizungsanlagen.
Sind ältere Gebäude besonders gefährdet?
Einen generellen Zusammenhang zwischen Alter und Unsicherheit sehen die Fachleute nicht. Der DVGW betont, dass auch ältere Gasinstallationen sicher betrieben werden können, wenn sie fachgerecht installiert, regelmäßig überprüft und gewartet werden. Ein genereller Handlungsbedarf allein wegen des Alters einer Anlage bestehe nicht.
Der TÜV-Verband weist darauf hin, dass es in einzelnen älteren Gebäuden mit Holzbalkendecken oder Holzböden durch Setzungen zu Belastungen von Leitungen kommen kann. Solche Fälle seien jedoch selten.
Die Netzbetreiber investieren nach eigenen Angaben kontinuierlich in die Erneuerung älterer Leitungsabschnitte. Mitnetz Gas gibt dafür in diesem Jahr rund 54 Millionen Euro aus.
Was sollten Verbraucher tun, wenn sie Gasgeruch wahrnehmen?
Ein wichtiger Sicherheitsmechanismus ist der typische Gasgeruch. Erdgas ist eigentlich geruchlos. Deshalb wird ihm ein Duftstoff zugesetzt. Mitnetz Gas und Avacon verweisen darauf, dass dadurch bereits kleinste Undichtigkeiten erkannt werden können - lange bevor eine explosionsfähige Konzentration erreicht wird.
Wer Gasgeruch bemerkt, sollte Räume lüften, keine elektrischen Schalter betätigen und umgehend den zuständigen Netzbetreiber informieren. Die entsprechende Störungsnummer findet sich meist direkt auf dem Gaszähler.