veröffentlicht am 26.05.2026 05:00
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Solarstrom vom Acker - Wie es um Agri-PV in Thüringen steht

Thüringen will Strom und Wärme künftig komplett aus erneuerbaren Energien gewinnen. Doch wohin mit all den Anlagen? Erste Agrarprojekte werden getestet.
Wie kann Landwirtschaft und Energieerzeugung verbunden werden? - Testanlagen in Erfurt.
© Martin Schutt/dpa

Stromernte vom Acker: Neben einer Reihe von Testanlagen entsteht in Bad Klosterlausnitz derzeit das erste kommerzielle Agri-Photovoltaik-Projekt in Thüringen. Dabei werden Solaranlagen über Agrarflächen errichtete, die weiterhin bewirtschaftet werden. «Wir wollen damit zeigen, dass sich solche Projekte wirtschaftlich betreiben lassen», sagte Stefan Zaubitzer, Geschäftsführer der TEAG Solar GmbH, der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. «Das Interesse von Landwirten steigt.» 

Die Thüringer Energie AG (TEAG), die das Projekt in Bad Klosterlausnitz umsetzt, ist der größte Energieversorger im Freistaat und im Besitz der Kommunen. 

Bei den Agri-PV-Projekten - die meisten sind wie in Erfurt oder in Gebesee im Kreis Sömmerda in der Test- oder Vorbereitungsphase - geht es darum, sowohl Öko-Strom als auch landwirtschaftliche Produkte wie Beeren oder Kirschen zu erzeugen. Die Anlagen sollen so über Feldern oder Obstbauflächen errichtet werden, dass Landwirtschaftsmaschinen weiterhin eingesetzt werden können. Teilweise entstehen heute noch großflächige Solaranlagen auf Grünland oder vereinzelt sogar auf Ackerflächen. 

Das Projekt in Bad Klosterlausnitz 

In Bad Klosterlausnitz (Saale-Holzland-Kreis) würden bei dem Agri-Photovoltaik-Projekt Solaranlagen auf einer Fläche von sieben Hektar errichtet, sagte Zaubitzer. Die Module würden in einer Höhe von 3,10 Meter über dem Boden angebracht. Die Unterkonstruktion sei fast fertig, Ende Mai sollen die ersten Solarmodule installiert werden. 

Unter ihnen wolle die Rüdersdorfer Agrar GmbH Beerensträucher anpflanzen,  Aronia-, Goji- oder Heidelbeeren seien im Gespräch. «Wir erwarten zusammen mit unserem Partner, dass sich durch die leichte Verschattung die Anbaubedingungen und Feuchtigkeit auf der Fläche verbessern.» Die Initiative für das Projekt sei von der ostthüringer Agrargesellschaft ausgegangen. 

Die Leistung der Anlage gab Zaubitzer mit 6,9 Megawatt Peak an. Die Anlage, in die knapp 3,8 Millionen Euro investiert würden, bleibe im Besitz des Unternehmens und solle grünen Strom für TEAG-Kunden liefern. Ihre Inbetriebnahme sei für den Spätsommer geplant. 

Verschiedene PV-Varianten möglich 

Am TEAG-Unternehmenssitz in Erfurt würden zudem Testanlagen für Agri-PV in drei Varianten entstehen. Dazu gehöre eine Art Solarzaun, der die Durchfahrt selbst von Traktoren ermögliche. «Wir wollen sehen, wie der Energieertrag ist und wie gut die Bewirtschaftung der Flächen läuft. Und wir wollen natürlich Interesse wecken», so der Geschäftsführer.

Die TEAG-Tochter errichtet nach Angaben von Zaubitzer eine Reihe von Solaranlagen in verschiedenen Thüringer Regionen. Er nannte als Beispiele Möhrbach im Eichsfeld oder Veilsdorf im Kreis Hildburghausen. «Wir investieren insgesamt etwa 70 Millionen Euro in eigene Solaranlagen.» Dafür würden vor allem Industriebrachen oder ehemalige Deponieflächen genutzt. 

Hindernisse für Projekte noch hoch 

Thüringens Bauernverband sieht Chancen für Agri-Photovoltaik bisher eher im Obst- und Gemüseanbau, nicht auf Äckern. Nach Angaben des Thüringer Landwirtschaftsministeriums wird Agri-PV unter realen Bedingungen vom Erdbeerhof Gebesee GmbH getestet. Es gehe darum, Erdbeerpflanzen vor Hitze, Starkregen und Sturm zu schützen - ohne Einbußen bei Geschmack und Ertrag. Auf bisher relativ kleiner Fläche würden verschiedene Sorten erprobt. Beim Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau Erfurt entstehe eine Anlage, unter der Kirschbäume gedeihen sollen.

Pläne gebe es für größere Agri-PV-Anlagen von privaten Investoren oder Flächeneigentümern, auch in der Grünlandbewirtschaftung. «Die Herausforderung bei größeren Agri-PV-Anlagen ist, dass Investitionskosten und Amortisationszeiten mit der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung und den zu erzielenden Stromerträgen langfristig in Einklang zu bringen sind», erklärt ein Ministeriumssprecher. Einige der bereits genehmigten, größeren Agri-PV-Projekte seien allerdings noch nicht realisiert oder verzögerten sich - aus Kostengründen oder durch Unsicherheiten über Förderbedingungen. 

In Thüringen werden bisher vor allem Solaranlagen auf Hausdächern sowie sogenannte Balkonkraftwerke installiert. Allein 2025 kamen laut Thüringer Energieagentur mehr als 21.000 neue Photovoltaik-Anlagen hinzu. Insgesamt sollen über 122.000 Solaranlagen am Netz sein - die jährliche Solarleistung liege bei rund 3.200 Megawatt Peak. Der Solarstrom deckt nach Angaben der Landesenergieagentur mehr als ein Viertel der gesamten Ökostromerzeugung im Freistaat ab.

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