veröffentlicht am 21.01.2026 13:12
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Neues Strom-Drehkreuz: Grüne Steckdose an der Nordseeküste

Ein großes Gleichstrom-Drehkreuz entsteht an Schleswig-Holsteins Westküste. Der sogenannte HeideHub soll aber nicht nur den Ökostrom aus Windparks in den Süden weiterleiten.
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, links) und Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) freuen sich über den Baustart.
© Markus Scholz/dpa

An Schleswig-Holsteins Nordseeküste entsteht eine große grüne Steckdose. Das Strom-Drehkreuz soll Ökostrom aus Windparks in der Nordsee in das Stromnetz einspeisen. Gemeinsam mit Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) und Vertretern der Netzbetreiber gab Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) den Startschuss für eines der zentralen Energiewende-Projekte im Norden.

Der ursprünglich geplante symbolische Spatenstich musste wegen des Bodenfrosts entfallen. Stattdessen hielten Teilnehmer des Festakts Symbolschilder in die Höhe.

«Dieses Projekt ist europaweit eines der ersten hochinnovativen Bauvorhaben der Energiewende», sagte Günther. Der künftige Knotenpunkt mache das Energiesystem flexibler, effizienter und leistungsstärker. «Der heutige Spatenstich ist ein wichtiger Meilenstein für unser Ziel, erstes klimaneutrales Industrieland zu werden.»

Das wird gebaut

Der sogenannte HeideHub in den Gemeinden Lieth und Wöhrden im Kreis Dithmarschen soll aber nicht nur Strom aus Windparks an Land bringen, sondern auch nach Süden abtransportieren. Dort enden künftig gleich zwei Offshore-Netzanbindungen, die bis zu vier Gigawatt Windstrom aus der Nordsee anbinden. Der Hub ist auch Startpunkt des NordOstLinks, eines Erdkabels bis in den Raum Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern.

Der NordOstLink transportiert bis zu zwei Gigawatt Windstrom bis zum SuedOstLink, der diesen in den Süden bringt. Die anderen zwei Gigawatt können direkt vor Ort genutzt werden, beispielsweise für Industrie und Elektrolyseparks.

Ab 2030 wollen die Netzbetreiber den Hub in Betrieb nehmen. Er besteht aus einer sogenannten Gleichstromschaltanlage, einem Umspannwerk und einem Konverter. Der Wandler ermöglicht den Transport von Windstrom aus dem Norden über eine Gleichstromleitung nach Nordrhein-Westfalen.

Goldschmidt sieht HeideHub in Schlüsselfunktion

«Die Energiewende ist ein echtes Schleswig-Holstein-Projekt und unser Land zum Kraftwerk für ganz Deutschland geworden», sagte Umweltminister Goldschmidt der Deutschen Presse-Agentur. «In Schleswig-Holstein wird wesentlich mehr Strom erzeugt und angelandet, als wir selbst verbrauchen können und an dieser Stelle wird der HeideHub in Zukunft eine entscheidende Schlüsselfunktion übernehmen.»

Nach Angaben des Statistikamtes Nord wurden in Schleswig-Holstein 2024 rund 31,1 Millionen Megawattstunden Strom erzeugt. Der überwiegende Anteil des hier erzeugten Stroms stammt mit 27,5 Millionen Megawattstunden aus erneuerbaren Energien. Rechnerisch konnte der Stromverbrauch in Schles­wig-Holstein von rund 15,2 Millionen Megawattstunden zu rund 180 Prozent gedeckt werden. 

Versorgungssicherheit und Systemstabilität sollen profitieren

Netzbetreiber Tennet macht keine Angaben zu den Kosten für den HeideHub, verweist lediglich auf geplante Investition in das deutsche Netz in Höhe von 65 Milliarden Euro bis 2029. Der Multiterminal-Hub sei Grundlage für ein verknüpftes Gleichstromnetz, in dem Strom noch intelligenter gesteuert werden könne, sagt Tennet-Managerin Ina Kamps. «So lassen sich große Mengen erneuerbarer Energien präzise und wirtschaftlich dorthin lenken, wo Industrie und Millionen von Haushalten sie benötigen.»

50Hertz-Manager Dirk Biermann erklärte, «der HeideHub wird als erster Gleichstrom-Knotenpunkt in Deutschland die großen Nord-Süd-DC-Leitungen miteinander vernetzen und so die Versorgungssicherheit und Systemstabilität deutlich erhöhen». Amprion-Experte Daniel Eichhoff sprach von einem zentralen Baustein der Energiewende. «Der Baustart ist ein wichtiger Schritt hin zu einem flexibleren und robusteren Stromsystem.»

Die SH-Netz-Managerin Lisa Hebenstreit betonte, der steigende Energiebedarf für E-Mobilität, Wärmewende, Rechenzentren und Batteriespeicher sei eine Herausforderung für die Netze. «Mit dem HeideHub kann SH Netz bis zu 1,2 Gigawatt mehr Leistung ins Netz aufnehmen.»

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