veröffentlicht am 30.09.2026 04:00
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Milliardeninvestitionen: Sachsen baut Fernwärme aus

Fernwärme sorgt in Städten für warme Wohnungen und heißes Wasser. Im Zuge der Wärmewende sollen das Netz ausgebaut und die Wärmeversorgung klimaneutral werden. Der Umbau hat bereits begonnen.
Die nach Betreiberangaben größte deutsche Solarthermieanlage am Rande Leipzigs wurde auf einer Fläche von über 65.000 Quadratmeter errichtet.
© Jan Woitas/dpa

Sachsens Wärmeversorgung steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Heißes Wasser und warme Stuben sollen künftig keine schädlichen Folgen mehr fürs Klima haben. Zugleich soll das Fernwärmenetz erheblich wachsen. Das Energieministerium spricht von einem Investitionsbedarf von mehreren Milliarden Euro. Die Pläne von Kommunen dazu sind Thema beim Ostdeutschen Energieforum heute und Donnerstag in Leipzig. Verbraucherschützer sorgen sich über Preisanstiege für Fernwärmekunden in den vergangenen Jahren. Wie kann dem entgegengewirkt werden? 

Der Ist-Stand: Sachsen Vorreiter bei Fernwärme 

Geheizt wurden Wohnungen in Deutschland laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bisher vor allem mit Gas und Öl, an dritter Stelle folgt Fernwärme mit einem Anteil von 15,5 Prozent. Doch im Zuge der Wärmewende könnte ihre Bedeutung künftig deutlich wachsen. Und Sachsen zählt bei der Fernwärmeversorgung im Bundesvergleich bereits zur Spitzengruppe der Flächenländer, wie das Energieministerium hervorhebt. Dazu verweist es auf Zahlen des Zensus 2022: Zum Stichtag wurden hierzulande 28 Prozent der Wohnungen mit Fernwärme beheizt, im Bundesschnitt waren es nur 15 Prozent. In Ländern wie Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz war der Anteil sogar nur einstellig. 

Der vergleichsweise gute Ausbau ist ein Erbe der DDR. Denn damals wurden viele Wohngebiete zentral mit Wärme versorgt, wodurch große Fernwärmenetze entstanden. «In Dresden wurde dieses Netz nach der Wiedervereinigung umfassend modernisiert und kontinuierlich erweitert», heißt es beim Versorger Sachsenenergie auf Aufrage. Dadurch habe sich das Netz um mehr als 400 Kilometer auf heute etwa 670 Kilometer deutlich vergrößert. 

Doch bisher stammt Fernwärme in Sachsen vor allem aus Gas und Braunkohle. Bis 2045, so die Vorgabe, soll die Erzeugung klimaneutral werden. Kohle als Brennstoff fällt schon früher aus: Bis spätestens 2038 will Deutschland komplett raus aus der Kohle. In Hoyerswerda und Weißwasser etwa stammt die Wärme nach wie vor fast komplett aus Braunkohle, in Leipzig liegt der Anteil deutlich über einem Viertel. 

Der Weg zur klimaneutralen Fernwärme 

Der Umstieg hat bereits begonnen. In Chemnitz etwa wurde Anfang 2024 dem Heizkraftwerk Nord mit seiner riesigen bunten Esse der Stecker gezogen. Bis dato war dort massenweise klimaschädliche Braunkohle verfeuert worden, um Strom und Wärme zu erzeugen. Statt der Kohleblöcke laufen nun gasbetriebene Kraftwerke. Dadurch wird zwar der CO2-Ausstoß nach Angaben des Versorgers Eins um 60 Prozent verringert. Klar ist aber: Das kann nur ein Zwischenschritt zur Klimaneutralität bei der Fernwärme sein. 

Woher wird die Fernwärme künftig kommen, um Wohnungen, Schulen, Büros und Betriebe zu heizen? Ein Blick auf die Vorhaben der Versorger zeigt, dass es einen Mix geben wird. Einige markante Projekte: 

  • Der Versorger Sachsenenergie will Wärme aus dem Flusswasser der Elbe gewinnen und ins Fernwärmenetz einspeisen. Dazu wird an Plänen für eine Flusswasserwärmepumpe mit einer Leistung von 50 Megawatt gearbeitet. Sie könnte 2031 in Betrieb gehen und rund 16 Prozent der Fernwärme in der Landeshauptstadt liefern. Die Investitionskosten werden auf rund 92 Millionen Euro veranschlagt. 
  • In Industrieanlagen und Rechenzentren entsteht Wärme, die oft ungenutzt bleibt. Sie soll künftig das Fernwärmenetz speisen - etwa in Leipzig. Dort sollen 38 Prozent des Wärmebedarfs aus Abwärme des Chemieparks Leuna in Sachsen-Anhalt gedeckt werden. Dazu werden in einer Raffinerie Wärmetauscher errichtet und eine Verbindungstrasse in die Stadt gebaut. Die Gesamtkosten werden auf weit über 200 Millionen Euro veranschlagt. 
  • Im Vogtland und im Erzgebirge könnte künftig Wärme aus der Tiefe gewonnen werden. Dazu treibt der Vogtlandkreis Untersuchungen für ein Geothermie-Kraftwerk voran. Im Untergrund in der Region um Bösenbrunn gibt es heißes Thermalwasser, das für die Versorgung mit Fernwärme und Strom genutzt werden könnte. Auch in Schneeberg könnte Geothermie einen großen Teil zur Wärmeversorgung leisten, informieren die Stadtwerke. Die genauen Planungen zur künftigen Wärmeversorgung laufen noch, weshalb noch keine Details dazu genannt werden könnten, heißt es. 

Wärme sollen künftig verstärkt auch Großwärmepumpen, Solarthermieanlagen und große Wasserkessel, die mittels Strom erhitzt werden (Power-to-Heat), liefern. Pläne gibt es auch für neue Anlagen zur Müllverbrennung, bei denen die Wärme in das Netz eingespeist wird. 

Anbieter stehen vor immensen Investitionen 

Die Kommunen sind verpflichtet, Wärmepläne zu erarbeiten. Dabei soll der Ausbau von Fernwärme eine wichtige Rolle spielen. So plant Leipzig als Sachsens größte Stadt, künftig etwa die Hälfte des Wärmebedarfs aus Fernwärme zu decken - derzeit sind es den Angaben zufolge etwas mehr als 30 Prozent. Dazu soll das Netz erheblich ausgebaut werden: von heute rund 485 Kilometer auf künftig etwa 800 Kilometer. Zusammen mit dem Bau neuer Anlagen zur Wärmeerzeugung werden die Kosten aktuell auf mindestens 3 Milliarden Euro geschätzt. 

In Chemnitz wird nach Angaben des Versorgers Eins mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe gerechnet. In der Stadt werde bereits rund ein Drittel des Wärmebedarfs aus Fernwärme gedeckt, darunter für mehr als 72.000 Wohnungen, heißt es. Ziel sei es, den Anteil auf etwa 50 Prozent zu erhöhen. Dazu wird das Fernwärmenetz bis 2045 schrittweise erweitert und verdichtet. 

Verbraucherschützer fordern mehr Regulierung bei den Preisen 

Bei der Nutzung von Fernwärme spart sich der Hausbesitzer die Kosten für eine eigene Heizungsanlage. Doch anders als bei Strom und Gas kann er den Anbieter nicht frei wählen. Regional gibt es deutliche Preisunterschiede. Laut dem Portal waermepreise.info kostet Fernwärme für ein Mehrfamilienhaus in Zwickau und Meißen etwas mehr als 15 Cent je Kilowattstunde brutto, in Niesky sind dagegen fast 26 Cent fällig. Über 20 Cent liegt der Preis demnach auch in Freiberg, Kamenz, Löbau, Neustadt, Olbersdorf und Zeithain. 

«Fernwärme ist ein Monopol», moniert Lorenz Bücklein von der Verbraucherzentrale Sachsen. Er setzt darauf, dass die Bundesregierung die Position von Verbrauchern stärkt. «Hierzu zählen eine verpflichtende Preisplattform bei einer Bundesbehörde und eine eigene Schlichtungsstelle für die Fernwärme.» Der Umbau der Fernwärme sei eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Die Kosten dürften daher nicht einseitig auf die Haushalte umgelegt werden. «Wir brauchen deshalb eine Preisaufsicht, die nicht nur nachträglich prüft, sondern wirksam eingreifen kann.» 

Allerdings wollen die Verbraucherschützer nicht auf die Politik warten. Nach Preissteigerungen für Fernwärmekunden in Sachsens Großstädten will die Verbraucherzentrale die Preise unter die Lupe nehmen. Sie hat Kunden in Leipzig aufgerufen, Verträge und Abrechnungen der vergangenen Jahre einzureichen. Damit soll geprüft werden, ob die Preisgestaltung statthaft sei.

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