veröffentlicht am 14.04.2026 16:26
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dpa-Meldungen

Maritime Behörde BSH rückt näher an die Marine

Meeresdaten, gedruckte Seekarten für den Notfall, angepasste Raumplanung: Was das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie unternimmt, um die Marine zu unterstützen.
Schiffe des BSH liegen in Bremerhaven. (Archivbild)
© Hauke-Christian Dittrich/dpa

Sicherheitsfragen bestimmen zunehmend die Arbeit der zentralen maritimen Behörde in Deutschland - des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). «Das BSH ist keine Sicherheitsbehörde, dennoch wird das Thema Sicherheit bei unserer Aufgabenerfüllung immer wichtiger», sagte Behördenleiter Helge Heegewaldt in Hamburg. 

Die veränderte Lage seit Russlands Angriff auf die Ukraine beeinflusst Heegewaldt zufolge zunehmend die Nutzung der Nord- und Ostsee. «Gerade die Ostsee ist längst nicht mehr das Übungsgebiet, sondern wird zu einem potenziellen Einsatzort», sagte er. Der Übungsbedarf der Deutschen Marine und ihrer Bündnispartner habe zugenommen, was Auswirkungen auf die Arbeit der Behörde habe. Denn das BSH plant, wie die knappen deutschen Meeresflächen genutzt werden. 

Anlass der Aussagen des Behördenleiters Heegewaldt war die Jahrespressekonferenz des BSH. Die Behörde mit Sitzen in Hamburg und Rostock ist zuständig für Schifffahrt, Meeresschutz, Windparks sowie die Meeresvermessung und Meeresdaten. Das Amt hat rund 1.000 Beschäftigte und ist dem Bundesverkehrsministerium untergeordnet.

Meeresdaten kommen der Marine zugute

Eine Aufgabe des BSH ist, die Nord- und Ostsee zu vermessen und Daten über Meerwasser zu sammeln. Die Ergebnisse kämen auch der Marine zugute, sagte Heegewaldt. «Eigenschaften des Meereswassers wie Temperatur, Salzgehalt, Strömungen, Schichtung beeinflussen die Einsatzbedingungen auf See.» Beispielsweise breite sich abhängig von den Bedingungen Schall unterschiedlich aus, was für Sonarsysteme wichtig sei. 

Die Wassereigenschaften haben laut BSH-Chef Einfluss auf die Navigation von Schiffen, U-Booten sowie die Minenabwehr. «Präzise und aktuelle ozeanographische Daten sind daher eine wesentliche Grundlage für Lagebilder und Entscheidungen auch der Marine», sagte Heegewaldt. «Die Versorgung der Marine mit diesen Daten wird das BSH mit Priorität aufrechterhalten.»

Marine erhält gedruckte Seekarten 

Die Behördenvertreter berichteten, dass es mittlerweile häufiger Abstimmungen zwischen dem BSH und der Marine gebe. In Zeiten knapper Kassen prüft das Amt, dass es keine für die Marine wichtige Leistungen einstelle. So wird die Marine weiter gedruckte Seekarten erhalten, obwohl diese vom BSH digitalisiert werden. Der Grund: Für den Notfall soll eine Alternative an Bord möglichst vorhanden sein.

Stromleitungen zur Anbindung von Offshore-Windparks plante das BSH der Marine zuliebe um. «Im letzten Jahr mussten Kabeltrassen zur Anbindung von Windparks angepasst werden, um ein entsprechendes Übungsgebiet zu umgehen und mögliche Störungen zu vermeiden», sagte Heegewaldt. 

Störungen der Navigation nehmen zu

Nach Bericht des BSH nehmen Störungen von Satellitensignalen besonders in der Ostsee zu. So stellt die Behörde zunehmend Jamming fest - der Begriff bezeichnet das Blockieren von Navigationssystemen. Ein weiteres Problem sei das sogenannte Spoofing, das Verfälschen von Positionsdaten. Genaue Zahlen zu Vorfällen in deutschen Meeren nannte das BSH allerdings nicht. 

Aufgrund der zunehmenden Störungen arbeitet das BSH daran, ein landgestütztes Navigationssystem mit Hilfe von nationalen und europäischen Küstenfunkanlagen zu entwickeln. Im Mai sind Tests dazu geplant. 

Ausbau der Windkraft soll sich beschleunigen 

Auf der Pressekonferenz wurde auch deutlich, dass die Bundesregierung das 2030-Ausbauziel für die Windkraft in Nord- und Ostsee voraussichtlich verfehlen wird. «Tatsächlich wird es wohl so sein, dass wir Ende 2030 nicht die geforderten 30 Gigawatt erreicht haben werden», sagte Kai Trümpler, der im BSH die Unterabteilung räumliche Planung leitet. Es sei schon während der Formulierung der Ausbauziele klar gewesen, dass diese ambitioniert seien. 

Trümpler geht davon aus, dass das Ausbauziel 2031 oder 2032 - also verspätet - erreicht wird, wie er berichtete. «Ich muss sagen, auch das halte ich noch für eine wirklich großartige Leistung der deutschen Bundesregierung, der deutschen Verwaltung, das in dieser kurzen Zeit zu stemmen.»

Gesetzliches Ziel der Regierung ist, die Kapazität zur Stromerzeugung aus Windenergie auf See bis 2030 auf mindestens 30 Gigawatt (GW) auszubauen. Seit der Inbetriebnahme des ersten deutschen Windparks auf See 2010 ist die Gesamtleistung der Anlagen auf 10,2 GW gestiegen, wie das BSH mitteilte. 

Bis 2035 wird von der Regierung eine Leistung von 40 GW angepeilt und bis 2045 sollen 70 GW erreicht werden. Das BSH geht davon aus, dass das 2035-Ziel schon 2034 mit rund 42 GW übertroffen wird. 

Meere werden laut BSH wärmer 

Der Ausbau der Windkraft schreitet voran, während Nord- und Ostsee der Behörde zufolge immer wärmer werden: 2025 wies die Nordsee demnach die höchste Durchschnittstemperatur an der Oberfläche auf, seitdem die jährliche Erhebung 1969 begonnen hat. In der Ostsee wurde 2025 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung 1990 verzeichnet.

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