veröffentlicht am 02.05.2026 04:30
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Erörterung zu Prestige-Windpark Altötting - Bühne für Bürger

Beim Erörterungstermin für den Prestige-Windpark Altötting können die Einheimischen Sorgen und Kritik öffentlich auf den Tisch bringen. Können sie damit auch das Verfahren beeinflussen?
Die Firma Qair will mit dem Bau des Windparks im Altöttinger Forst 2027 beginnen. (Symbolbild)
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Beim geplanten Windpark im oberbayerischen Altötting haben nächste Woche Betroffene aus der Region das Wort. In einem Erörterungstermin können sie Kritik, Sorgen und Vorschläge persönlich und öffentlich einbringen. Zwei Tage lang - am 6. und der 7. Mai - sollen die zuvor schriftlich eingegangenen Einwendungen mündlich diskutiert werden. Wie viele Menschen teilnehmen werden, ist offen; im großen Saal des Kultur & Kongress Forums ist Platz für rund 1.000 Personen.

Insgesamt wurden laut Landratsamt und Projektentwickler Qair Deutschland 73 Einwendungen eingereicht, unter anderem von Anwohnern, Verbänden und Bürgerinitiativen. Außerdem gab es von 51 Ämtern und Gemeinden fachliche Stellungnahmen, Vorschläge für Auflagen oder Bedenken zum Vorhaben. 

Das alles soll nun bei dem Termin diskutiert, offene Fragen sollen geklärt werden. Die Unterlagen hatten vier Wochen zur Einsicht ausgelegen, die Frist für Stellungnahmen endete am 30. März.

Ein Erörterungstermin soll grundsätzlich dazu dienen, der Genehmigungsbehörde - hier dem Landratsamt - eine Entscheidungsgrundlage zu geben. Denkbar wäre als Konsequenz auch, dass Antragsunterlagen nachgebessert werden müssen. 

Sorge um Wasserschutz, Lärm und Schattenwurf

Das Projekt ist in der Region umstritten. Kritiker sorgen sich um Lärm und Schattenwurf der Anlagen sowie um den Boden- und Trinkwasserschutz. Eine Bürgerinitiative kritisierte zudem die Zerstörung des geschlossenen Waldes, sie zog auch die Wirtschaftlichkeit und Energiebilanz in Zweifel.

Bereits in der Vergangenheit war die Zahl der geplanten Anlagen nach Protesten reduziert worden. In der Gemeinde Mehring, auf deren Gebiet allein zehn der ursprünglich geplanten 40 Windräder stehen sollten, hatten sich die Menschen in einem Bürgerentscheid vor gut zwei Jahren gegen das Projekt ausgesprochen - und damit eine Schockwelle in der Industrie im nahen Chemiedreieck wie auch in der Staatsregierung ausgelöst. 

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) reiste danach in die Region, um mit den Anwohnern zu sprechen und für das Projekt zu werben. Der Windpark sollte der größte Bayerns werden und galt als Prestigeprojekt.

 

Inzwischen sind noch 27 Windräder geplant. Sie sollen im Endausbau nach Angaben von Qair jährlich rund 320 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und rechnerisch mehr als 90.000 Haushalte versorgen.

Baustart nächstes Jahr?

Qair will nächstes Jahr mit dem Bau starten. Schon 2028 soll der erste Strom fließen. Das Landratsamt hat bis Anfang September Zeit, die Genehmigung zu erteilen, wie ein Qair-Sprecher sagte. «Wir hoffen, dass es deutlich schneller geht.» Dazu sei man mit dem Landratsamt im Gespräch. Nach der Erteilung des Genehmigungsbescheids gilt eine vierwöchige Frist für die Einreichung von Klagen. Sie könnten das Projekt unter Umständen verzögern.

Auch aktuell geplante Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) könnten das Projekt zeitlich beeinträchtigen, sagte der Qair-Sprecher. Derzeit gebe es Unsicherheit im Markt. «Natürlich schauen wir da genau drauf.» Der Zeitpunkt einer erfolgreichen EEG-Ausschreibung, die bestimmte Einspeiseerträge garantieren soll, sei für die Zeitplanung mitentscheidend. Erst mit dem Zuschlag durch die Bundesnetzagentur könnten die Bestellungen für die Windenergieanlagen erfolgen.

Sorge um Chemikalien im Boden 

Ein viel diskutiertes Thema in der Region ist der Wasser- und Bodenschutz - denn das Gebiet ist mit PFAS-Chemikalien, insbesondere PFOA aus der nahegelegenen Industrie, belastet. Die Chemikalie war vor Jahren im Blut von Anwohnern gefunden worden, Trinkwasserbrunnen mussten mit Filtern ausgestattet werden. Nun könnten, so die Befürchtung, durch die Erdarbeiten die Stoffe erneut freigesetzt werden.

Bei Qair heißt es dazu, ein Bodenmanagementkonzept soll sicherstellen, dass belastetes Erdreich nicht ausgewaschen wird. Auch Maßnahmen zum Trinkwasserschutz sind vorgesehen. Unter anderem soll die Erde auf einer Fläche von 2.700 Quadratmetern pro Anlage für Baufahrzeuge und Kran nicht ausgehoben, sondern mit einer Spezialbetonmischung verfestigt werden.

Anwohner fürchten auch mögliche Lärmbelastungen und den Schattenwurf der Windräder. Aktuell ist ein Abstand von 1.200 Metern zu geschlossenen Wohnbebauungen geplant - nach Debatten mit den Bürgern 200 Meter mehr als behördlich seitens der Bayerischen Staatsforsten und der Planungsbehörde vorgegeben.

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