Brandenburg setzt trotz Rückschlag auf E-Kerosin-Großprojekt

Brandenburg setzt trotz des Ausstiegs eines Partners auf das geplante Großprojekt für klimafreundliches Fliegen auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt. «Wir haben ein großes Interesse an diesem Projekt und tun deshalb auch alles (...), dass das Projekt tatsächlich auf die Beine kommt», sagte Energieministerin Martina Klement (CSU) im Wirtschaftsausschuss des Landtags. «Wir haben positive Signale, dass alle, die daran beteiligt sind, auch trotz der herausfordernden Lage bei Zaffra das Projekt weiterhin realisieren wollen und auch können.»
Das Energieunternehmen Enertrag und das Gemeinschaftsunternehmen Zaffra wollten das Projekt «eSAF» im Industriepark der PCK-Raffinerie bis zum Jahr 2030 umsetzen. Geplant ist die größte Anlage in Deutschland zur industriellen Produktion von E-Kerosin. Das südafrikanische Energieunternehmen Sasol und das dänische Technologieunternehmen Topsoe gaben im Juni jedoch bekannt, dass sie die geordnete Abwicklung ihres Joint Ventures Zaffra beschlossen hatten.
Mit Förderung vom Bund
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte im Mai bei einem Besuch in Schwedt einen Fördermittel-Bescheid über 350 Millionen Euro für die geplante Produktionsanlage für synthetische Flugzeugkraftstoffe übergeben.
Von den zugesagten 350 Millionen Euro Fördermitteln für das Großprojekt trägt das Land Brandenburg 105 Millionen Euro. Die BSW-Landtagsfraktion warf der Wirtschaftsministerin Desinteresse an dem Vorhaben vor. «Wiederholt behauptet die Wirtschaftsministerin, dass die Projektverantwortung allein beim Bund liege», sagte der BSW-Abgeordnete Stefan Roth. «Bei 105 Millionen Euro in Aussicht gestellten Landesmitteln ist dies unverantwortlich.»
Russland stoppte kasachisches Öl für PCK
Für klimafreundlicheres Fliegen soll mit Kohlendioxid (CO2) aus Biomasse und mit aus erneuerbarer Energie gewonnenem Wasserstoff eine Alternative zu fossilem Kerosin hergestellt werden.
Das Projekt soll auf dem Gelände der PCK entstehen. Die Raffinerie nordöstlich von Berlin versorgt Teile von Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Westpolen mit Sprit, Heizöl, Kerosin und anderen Produkten. Seit dem Embargo wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fließt kein russisches Öl mehr zur PCK-Raffinerie in Schwedt, dafür gibt es alternative Quellen.
Im Mai stoppte Russland die Durchleitung von kasachischem Rohöl durch die Pipeline Druschba (Freundschaft). Es kommen Ersatzlieferungen. Die Raffinerie gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft, die wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine unter Treuhandverwaltung des Bundes stehen.